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Wenn jemand nicht (mehr) »da« ist

Workshop mit Anouk Claes
Wenn jemand nicht (mehr) »da« ist

Workshop mit Anouk Claes

Wenn jemand nicht (mehr) »da« ist

Im »Workshop«-Beitrag in dieser Ausgabe sind die Festtage ein zentrales Thema. Einen Aspekt, in Bezug auf den Unterschied zwischen Geist und Ego, möchte Anouk Claes hier noch vertiefen: Wie wir damit umgehen können, wenn eine oder mehrere Personen nicht an der Feier teilnehmen können.

Im »Workshop« zeigte ich den Unterschied zwischen Ego und Reptilienhirn, unserem ältesten Gehirnteil, klar auf. Betrachtet man den Umgang mit dem Tod, so gibt es zwischen Ego und Geist einen sehr grossen, entscheidenden Unterschied. Aus der geistigen Perspektive betrachtet, ist ein Mensch nicht verschwunden, sondern es besteht noch eine Verbindung. Oft ist es nicht nur eine geistige, sondern auch eine emotionale Verbindung, wenn man diesen Menschen geliebt hat. Das Ego wiederum spürt diese geistige Verbindung nicht und wünscht sich einfach nur, dass diese Person da sein sollte – doch sie ist es nicht. Das Ego ist die Handlungsebene, und dies ist für das Ego das tragische, weil es nichts dazu beitragen kann, dass dieser Mensch wieder da ist.

Gefühlsmässig stellt sich daraufhin Trauer, Ohnmacht, Wut oder mehrere Gefühle gleichzeitig ein. Diese Gefühle kann man zulassen. Das Reptilienhirn weiss nicht, dass jemand verstorben ist. Von ihm aus gesehen, ist dieser Mensch im Moment einfach nicht da und könnte eigentlich jeden Moment zur Tür herein kommen. Es gibt  Ausnahmen, wenn man zum Beispiel beim Tod einer Person anwesend war, aber auch dann nicht immer. Hat man also das Empfinden, die Person könnte jederzeit auftauchen, kommt diese Idee vom Reptilienhirn.

Das Ego möchte den abwesenden Menschen nur leibhaftig zurück

Viele Menschen suchen die geistige Kommunikation mit Verstorbenen, um sich der Verbindung zum Verstorbenen zu vergewissern. Doch das nützt dem Ego leider gar nichts. Dem Ego geht es nicht um eine geistige Verbindung, sondern es möchte den Menschen aus Fleisch und Blut zurückhaben, mit etwas anderem gibt es sich nicht zufrieden.

Bei vielen funktioniert es ohnehin nicht so, wie sie es sich wünschen würden. Die Kommunikation mit Verstorbenen ist möglich, aber nicht leicht, viele bekommen zudem keine klaren Antworten oder sind sich nicht sicher, ob sie sich das eingebildet haben oder nicht. Es ist auch sehr wichtig, dass das Ego von der geistigen Welt nichts erfährt, denn sonst resultieren oft Probleme im Alltag, die Welten beginnen sich zu mischen. Was man aber für das Ego tun kann, ist etwas auf der Handlungsebene. Dinge, die man sich als Erwachsener sonst nicht erlaubt, weil man an sich den Anspruch stellt, den Tod/das Fehlen des Menschen verarbeiten zu können.

Das Ego versteht nur Dinge, die es sehen kann. Damit also das Ego die Abwesenheit von jemandem besser erträgt, kann man etwas tun. Man kann etwa den Tisch decken für die Person, die fehlt – was natürlich ungewohnt ist für den Geist. Man kann auch Fotos dieses Menschen aufstellen, oder seine Lieblingsspeise kochen, oder Fotos anschauen und über diese Person reden. Alles Dinge, die oft vermieden werden, weil man fürchtet, dass die Gefühle dann  stärker auftreten könnten und »alte Wunden aufgerissen« werden.  Hier sind wir wieder beim Geist angelangt. Der Geist hat Glaubensstrukturen, die einem vermitteln, wie man sich generell verhalten sollte, um Trauer zu  verarbeiten. Dabei ist dies etwas sehr Persönliches, und deshalb kennt sich das Ego da am besten aus. Es ist die Instanz, die am meisten Mühe mit Abschiednehmen hat – nicht nur mit dem Tod, sondern auch mit grösseren Veränderungen.

Das Ego möchte mit der abwesenden Person zusammen etwas tun oder unternehmen können. Wenn jemand eine Krankheit hat, wie zum Beispiel Demenz, ist der Umgang mit diesem Menschen, so wie es das Ego gewohnt ist, nicht mehr möglich. Das ist sehr schlimm für das Ego, für den Geist aber eigentlich nicht. Viele Menschen empfinden so – und haben dann wiederum ein schlechtes Gewissen. Man nimmt an, dass die Person ja nichts dafür könne, man selbst sei zu egoistisch, denke nur an sich selber.

Wie ich schon oft erwähnte, auch wenn das Ego nicht mit Krankheit oder Tod umgehen kann, gibt es immer Dinge, die man auf der Handlungsebene machen kann, die dem Ego weiterhelfen. Oft geschieht das nicht nur wegen geistiger Glaubensstrukturen, die einem das nicht erlauben oder aus Angst vor den eigenen Gefühlen, die dann hochkommen könnten oder, weil man das Ego weniger ernst nimmt als den Geist. Man erwartet einfach zu viel vom Ego.

Weiterlesen im Heft 32....

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