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Placebo - mehr als ein Scheinmedikament

Wege zur Heilung
Wege zur Heilung

Placebo - mehr als ein Scheinmedikament

Wege zur Heilung

Der Placebo-Effekt ist ein wichtiger Bestandteil in der Heilung. Doch wie unterstützen positive Erwartungen den Heilungsprozess? Auch Nocebos, Suggestionen und Erwartungen, die negative Reaktionen verursachen, können zur Heilung führen, wenn sie erkannt und aufgelöst werden.

Wir beobachten Kinder beim Spielen – eines stürzt und verletzt sich leicht am Knie. Auf dem Kinderspielplatz ist das oft ein grosses Drama und mit vielen Tränen verbunden. Was macht die Mutter in solch einer Situation? Sie nimmt das Kind in den Arm, schaut sich  die Wunde genau an, hält kurz die Hand drüber oder pustet mehrmals. Dazu vielleicht noch liebe Worte wie »Heile, heile Gänschen...« Und wenn dann noch ein Comic-Pflaster drauf kommt, ist der Schmerz schnell vergessen und es geht wieder ab ins Getümmel auf dem Spielplatz. Das Kind vertraut der Mutter, und wenn diese sagt, dass der Schmerz gleich verschwindet und die Wunde schnell heilt, stimmt das für das Kind auch.

Aufmunternde Worte geben Kraft und Zuversicht

Eine Mutter nützt den Placebo-Effekt ganz intuitiv. In der heutigen hektischen Zeit geht Intuition häufig unter. Zeit ist etwas, was auch in den Arztpraxen scheinbar ein Mangel ist. Antje Maly-Samiralow weist in ihrem Buch »Das Prinzip Placebo« immer wieder auf die positive Wirkung der Empathiefähigkeit der Ärzte hin. Sich Zeit nehmen, zuhören und mit freundlichen, unterstützenden Worten zu begleiten, steigert nachweislich die Wirkung von Medikamenten. Wenn ein Patient damit rechnet, dass es ihm durch die Behandlung oder die Einnahme von Medizin besser geht, ist es  wahrscheinlich, dass dies auch der Fall sein wird. Hier kommt das Reiz-Reaktions-Phänomen, das aus der Gehirnforschung bekannt ist, zum Tragen. So kann eine unbewusst erlernte Reaktion auf einen Reiz, z.B. die Worte, die jemand spricht, die Wirkung entscheidend beeinflussen. Dabei ist es nicht die Pille, die Wunder wirkt. Voraussetzung für die positive Wirkung von Placebo (aber auch von anderen Medikamenten) ist Vertrauen und der Glaube an Heilung.

Ein Placebo ist dann erfolgreich, wenn es die   Gedankenmuster, Glaubensätze und Überzeugungen der Patienten verändert. Hierfür sind kompetente Ärzte, Therapeuten, Pflegepersonal wichtig, die das Vertrauen der Patienten gewinnen und sie einfühlsam beraten und sie auf ihrem Weg begleiten. Denn es ist das Gespräch, das den Heilungsprozess beeinflussen kann.  Aber auch der nonverbalen Kommunikation ist grosse Beachtung zu schenken. Ein schönes Beispiel führt die Autorin in ihrem Buch auf: die ausgestreckte Hand. Was symbolisiert ein Händedruck? Es ist eine  Geste der Gastfreundschaft und des Entgegenkommens, eine Begegnung auf Augenhöhe. Wie werden Sie von Ihrem Arzt begrüsst? Ist der Arzt ab der Türöffnung voll und ganz für Sie da und nimmt Ihre Anliegen ernst? Auch die Haltung des Arztes beeinflusst das  Wohlbefinden und das Vertrauen der Patienten. Der Händedruck sowie freundliche Worte zu Beginn schaffen Nähe und helfen Barrieren zu überwinden und unterstützen so bereits in den ersten Minuten den Heilungsprozess.

Die kleinen Dinge im Aussen bewirken  Grosses im Inneren

Placebo ist ein Schlüssel zum eigenen Potential – zu den Selbstheilungskräften. Die Macht der Gedanken kommt hier zum Wirken...

Weiterlesen im Heft Nummer 34

 

Buchtipp:
Antje Maly-Samiralow erklärt das Placebo und Nocebo-Phänomen auf eine sehr verständliche Weise sowohl für Patienten als auch für Therapeuten. Sie vertieft die Bedeutung des Placebo-Effekts für den Therapieerfolg und führt zahlreiche interessante Beispiele auf, jedoch auch erschreckende Beispiele mangelhafter medizinischer Kommunikation und deren Folgen. Sie veranschaulicht, wo wir überall Placebo- und Nocebo-Phänomenen begegnen und wie speziell Therapeuten auf eine empathische verbale und nonverbale Kommunikation achten sollten und wie diese zum Heilungserfolg beitragen kann. Die Sensibilisierung des Umgangs mit den Patienten steht im Fokus. Heilung geschieht im Inneren eines jeden einzelnen – durch Aktionen und Reaktionen von aussen kann diese aktiviert, aber auch verhindert werden. Erwartungshaltung und Vertrauen leiten den Heilungsprozess.Auch Möglichkeiten, eigene Placebo-Effekte zu schaffen und Beispiele für Nocebos im Alltag zu erkennen, werden in diesem Buch aufgeführt.

Antje Maly-Samiralow, Das Prinzip Placebo – Wie positive Erwartungen gesund machen

Knaur Verlag, ISBN 978-3-426-65750-8, Fr. 25.90

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