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Eifersucht - die verdrängte Leidenschaft

Workshop mit Anouk Claes
Workshop mit Anouk Claes

Eifersucht - die verdrängte Leidenschaft

Workshop mit Anouk Claes

Eifersucht, Neid und Bewunderung haben bei der Allgemeinheit keinen guten Ruf. Insbesondere die ersten beiden werden meist als negativ betrachtet und abgelehnt. Diese Gefühle helfen aber auch, langgehegte Wünsche umzusetzen und Ziele zu erreichen. Wie wir das bewerkstelligen können, zeigt Anouk Claes.

In diesem Beitrag geht es um die drei Gefühle Eifersucht, Neid und Bewunderung. Diese drei Bezeichnungen sind jedoch im Grunde genommen verschiedene Namen für ein und dasselbe Gefühl. Leserinnen und Leser, die den »Sitz« der Gefühle im Körper, so wie ich es wahrnehme, aus vorhergehenden Artikeln kennen, wissen, dass ich die Eifersucht, im Gegensatz zu den anderen Gefühlen, an zwei Orten im Körper wahrnehme, links und rechts im  Lendenbereich.

Eifersucht wird, ebenso wie Neid, in unserer Gesellschaft generell als negatives Gefühl betrachtet. Bei Bewunderung gehen die Meinungen auseinander. Für mich sollten Gefühle keiner Wertung unterliegen, sie sind einfach. Und sie sind wichtige Hinweise, da sie uns Auskunft über uns selbst erteilen. Eifersucht, Neid und Bewunderung gehören zu den aussagekräftigsten Gefühlen überhaupt. Ihre Eigenschaften und Nebeneffekte sind sehr breit gefächert, sie haben einen direkten Bezug zum Ego und zum Geist und beeinflussen indirekt auch die anderen vier Gefühle – Wut, Trauer, Glück und Liebe.

Es heisst, man sollte nicht eifersüchtig und auch nicht neidisch sein. Beiden Gefühlen haftet ein Manko an, da sie häufig auch Wut aktivieren. Es folgt dann die Verdrängung der Wut und auf diesem Wege entsteht oft Aggression. Aber auch Eifersucht oder Neid werden häufig verdrängt, weil sie als »schmerzlich« empfunden werden. Alle kennen diesen »Stich«, wenn man jemandem begegnet, der genau das macht, was man selbst eigentlich auch gerne machen würde.

Eifersucht und Neid sind hilfreich beim Erkennen seiner Grenzen

Damit sind wir beim Thema Ego und Wünsche. Das Ego steht für das Einzigartige jedes Menschen. Verdrängt man das Ego, dann verdrängt man somit zugleich auch die eigenen Wünsche. Eifersucht und Neid können einem Menschen helfen, zu erkennen, wo er sich selbst Grenzen auferlegt hat. Bewunderung hingegen ist ein angenehmes Gefühl, da man sich selbst hier keine Grenzen gesetzt hat. Das heisst konkret: Neid, Eifersucht und Bewunderung sind verbunden mit dem Wunsch, etwas zu besitzen oder etwas zu können oder zu sein.
Eifersucht und Neid fühlen sich noch schlimmer an, wenn man erkennt, dass man einen Gegenstand, eine Fähigkeit, Geld, Zeit usw. nicht bekommen kann. Verschärft wird das Ganze durch Glaubensstrukturen: was ist mir erlaubt und was nicht; was traue ich mir selbst zu und was nicht; was möchte ich erreichen und was nicht. Das alles sorgt dafür, dass das Unangenehme der Eifersucht und des Neides noch einmal verstärkt wird. 

Wie ist nun der Bezug zu Geist und Ego? Das Ego entscheidet, was es möchte oder gerne hätte. Der Geist hat die Aufgabe, die passenden Möglichkeiten aufzuzeigen oder davon zu träumen. Der Geist sollte möglichst viele verschiedene Varianten anbieten, so dass das Ego sich die beste Möglichkeit rauspicken und das, was es möchte, praktisch umsetzen kann. Wird jedoch das Ego verdrängt, bleibt es meistens beim Traum. Begegnen
wir dann einem Menschen, der unseren Traum umgesetzt hat, reagieren wir mit den Gefühlen Trauer, Wut, Eifersucht oder Neid.
Viele Menschen haben jedoch keine wirklichen Träume mehr, sondern träumen nur von dem, was sie glauben, erreichen zu können. So beschränken sie sich selbst und setzen sich Grenzen. Gleichzeitig verdrängen sie Eifersucht oder Neid, und das löst Trauer aus, denn sie lehnen so einen wichtigen Teil von sich selbst ab – nämlich Träume und Wünsche.
Kinder haben meistens noch etliche Träume, aber  häufig werden diese vom Umfeld nicht unterstützt. Erwachsene betrachten diese Träume als etwas Realitätsfernes – genauso, wie die Träume während des Schlafes.
Eifersucht, Neid und Bewunderung lassen sich nicht einheitlich beschreiben wie die anderen Gefühle, da die Bereiche, auf die sie sich beziehen, so mannigfaltig sind. Diese drei Gefühle haben aber viele interessante Eigenschaften, von denen ich einige hier jetzt näher erläutere.

Sich selbst besser spüren

Eifersucht, Neid und Bewunderung sind sehr hilfreich, weil sie den Nebeneffekt haben, dass man sich näher bei sich fühlt, wenn man eines dieser drei Gefühle spürt. Häufig berichten mir sehr gefühlsorientierte Menschen, dass sie von den Gefühlen anderer stark mitgerissen würden. Für diese Personen ist es wichtig, möglichst schnell wieder zu ihren eigenen Gefühlen zurückzukehren. Eine Möglichkeit besteht darin, sich in eines der drei Gefühle hineinzuversetzen. Wenn man das macht, ist man unmittelbar wieder bei sich, da diese drei Gefühle – anders als Trauer, Liebe, Glück und Wut – sich nicht mit anderen Menschen teilen lassen. Es ist leicht möglich, dass mehrere
Menschen in der Umgebung zusammen wütend sind, trauern, glücklich sind oder sogar gemeinsam lieben. Bei Eifersucht, Neid und Bewunderung sind die Chancen hingegen sehr gering, dass Menschen um einen herum genau dasselbe empfinden.

Mehr Klarheit erlangen

Eifersucht, Neid und Bewunderung haben eine weitere Nebenwirkung: sie sorgen dafür, dass auch alle anderen Gefühle klarer werden und man sich so besser fokussieren kann. Hin und wieder kommen Menschen zu mir, bei denen Trauer, Liebe und Wut so »verschoben« (also von ihrem ursprünglichen Sitz im Körper weggerückt sind – beispielsweise durch eine Glaubensstruktur) sind, dass sie kaum noch etwas spüren können. Oft sind sie nah an einer Depression. In einem solchen Fall ist es hilfreich, mit Bewunderung oder Neid oder Eifersucht zu arbeiten. Wenn eines dieser Gefühle aktiviert und es dadurch besser angenommen wird, schieben sich automatisch auch alle anderen Gefühle ein wenig an ihre ursprünglichen Orte zurück.

Um beispielsweise Bewunderung zu aktivieren, sollte man sich zunächst überlegen, was man gerne noch besser können würde. Man kann aber auch jemand bewundern, von dem man denkt, dass er Grossartiges geleistet hat. Indem man sich darauf konzentriert, wo seine eigenen Bedürfnisse und Vorlieben liegen, erhöht man automatisch die Liebe zu sich selbst, und das fühlt sich gut an.
Es gibt immer wieder Situationen, in denen man eine Entscheidung treffen muss, aber sich nicht im Klaren ist, was man wirklich möchte. Auch hier kann man diese drei Gefühle zu Rate ziehen.
Ein einfaches Beispiel:
Ich bin hin und her gerissen, ob ich einen Englischkurs belegen soll oder doch lieber eine Woche Ferien machen möchte. Es fällt mir schwer, mich zu entscheiden, da ich nicht weiss, was ich lieber machen würde. Eine Möglichkeit ist nun, an jemand zu denken, der das eine oder das andere gemacht hat, und zu schauen, ob die Eifersucht reagiert. Wenn das der Fall sein sollte, heisst das, dass ich das auch machen möchte. Im Anschluss denke ich an jemand, der die englische Sprache gut beherrscht, und beobachte, wie stark das Gefühl darauf anspricht. Reagiert es mehr oder weniger, oder in etwa gleich? Es kann ja auch sein, dass ich beides möchte, was natürlich auch gut ist.
Es ist jedenfalls sehr hilfreich, bei Entscheidungen auf der Handlungsebene, auf das Plädoyer dieser Gefühle zu hören. Sie geben viel Auskunft darüber, was einem persönlich gefällt und was nicht.

Weiterlesen im Heft Nummer 36

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