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Alte Dinge für neue Möglichkeiten

Theorie und Praxis
Theorie und Praxis

Alte Dinge für neue Möglichkeiten

Theorie und Praxis

In diesem Beitrag zeigt Anouk Claes den Wert von älteren Alltagsgegenständen auf, wenn es darum geht, sich an neuen Aufenthalts- und Wohnorten besser zurecht zu finden.

Das Ego ist die Handlungsebene und hat daher einen anderen Bezug zur Materie als der Geist. Der Geist braucht einen Gegenstand nicht anzufassen oder in der Nähe zu haben, das Ego aber hat Mühe, wenn er nicht tatsächlich vor Ort ist. Das Ego muss handeln können. Mit handeln meine ich, dass zum Beispiel die Sinneswahrnehmung oder Bewegung daran beteiligt ist. Wegen dieser Diskrepanz zwischen dem Bedürfnis des Geistes und dem des Egos, weiss man manchmal nicht, was zu tun ist, und es entsteht ein Ungleichgewicht. Manchmal gibt man den geistigen Bedürfnissen zu stark nach, manchmal denen des Egos. Es ist nicht immer leicht, in einer bestimmten Situation ein Gleichgewicht zu finden.

Wie Demenzkranke unterstützt werden können

Ein Beispiel, in dem die Schwierigkeiten eines solchen Ungleichgewichts besonders deutlich zu Tage treten, ist das Alter. Ich werde öfter gefragt, wie man Menschen mit einer Demenz, mit Alzheimer oder einer anderen Erkrankung, die Auswirkung auf die Orientierung im Alltag hat, unterstützen kann, sich in einer neuen Umgebung wohler zu fühlen. Die Angehörigen berichten etwa, dass die Mutter immer wieder vergisst, wo sie sich befindet und nach Hause möchte, obwohl ihr neues Zuhause das Heim ist, in dem sie sich gerade  aufhält. Was ich vorschlage, hilft nicht unbedingt bei der Orientierung selbst, aber es hilft die Angst zu minimieren, die eine derartige Desorientierung oft auslöst.
Es ist oft auch davon unabhängig, wie die neue Umgebung aussieht, ob es eher spitalähnlich oder ein betreutes oder begleitetes Wohnen ist. Manchmal wirft man zu viele Gegenstände weg, die alt sind und die man durch neuere und auch bessere ersetzt. Doch man sollte schauen, dass das Gleichgewicht zwischen alt und neu genau stimmt, und das ist nicht immer leicht, je nach Umgebung.
Häufig entsorgt man zu viele Sachen oder für den betroffenen Menschen stimmt das Gleichgewicht zwischen den neuen und alten Sachen nicht. Im Fall von älteren Menschen, die ins Altersheim ziehen, kann der Verlust von zu vielen alten Gegenständen und gleichzeitig zu vielen neuen Dingen um sie zu einer Desorientierung beitragen. Aus der geistigen Perspektive kann man bestimmte Gegenstände spüren, ganz egal, wo sie sich befinden. Der Geist braucht den direkten Kontakt zu einer bestimmten Materie nicht, sondern ist viel flexibler, was Raum und Zeit betrifft.

Das Ego aber kann mit etwas Materiellem nur etwas anfangen, wenn es auch tatsächlich vorhanden ist. Das Ego ist zuständig für die Orientierung im Alltag. Lässt nun diese ein wenig nach und »befindet man sich« zu viel im Geist, dann sind diese Gegenstände wichtig, weil sie dem Ego als Orientierung dienen. Mit ihnen kann man etwas Vertrautes wahrnehmen. Das hilft, die Angst, die auftritt, wenn man nicht mehr weiss, wo man ist, zu minimieren. Neue Gegenstände sind dafür schlecht geeignet, denn es braucht diese »abgespeicherte Wärme«, damit man auch via Geist eine Brücke zur Handlungsebene findet. Für mich sind Menschen mit Demenz mehr als üblich im »Geist« und haben Mühe mit der materiellen Welt. Aber weil sie »mehr« im Geist sind, können solche Gegenstände mit »gespeicherter Wärme« (wie im vorherigen Artikel beschrieben) besonders helfen, so dass sie mittels dieses Gegenstands in einer Umgebung, die an sich neu ist, eine Vertrautheit empfinden.

Ein bekannter Gegenstand beruhigt die Angst

Ich höre oft von Angehörigen, dass ältere Menschen nicht mehr wissen, wo sie sind, wenn sie erwachen. Ein neues Bett, ein neues Zimmer sind oft wegen der Pflegesituation notwendig, aber eine Decke, die man kennt oder eine Nachttischlampe, die man schon sehr lange hat und die eine »Wärme« ausstrahlt, erleichtern es dem Menschen, sich zuhause zu fühlen.
Ob eine ältere Person dann direkt weiss, wo sie sich befindet, ist nicht gesagt, aber es beruhigt die Angst vor einer völlig fremden Umgebung. Bei Kindern achtet man sehr darauf, dass, wenn sie an einem eher unbekannten Ort bleiben müssen, im Spital zum Beispiel oder das erste Mal alleine auswärts übernachten, sie ihre gewohnten Sachen dabei haben, das Stofftier, die Decke etc. Man würde dem Kind kein neues Stofftier zur Beruhigung kaufen, sondern eher ein älteres benutzen.

Weiterlesen im Heft Nummer 39

 

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